Besser leben ohne Plastik: Interview mit der Buchautorin Nadine Schubert

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Foto: Lea Schreiber

Hallo Frau Schubert, Glückwunsch erst mal zu Ihrem zweiten Buch „Noch besser leben ohne Plastik“, das gerade erscheint! Wie sind Sie denn eigentlich auf das Thema Plastik(müll) gestoßen damals?

Eine Fernsehreportage hat mich zum Umdenken gebracht. Sie zeigte die Vermüllung der Umwelt und der Meere durch Plastik, es ging aber auch um Schadstoffe, die schädlich für die Gesundheit sind. Das hat mich hellhörig werden lassen.

Inzwischen spricht sich ja immer mehr herum, dass Plastik nicht wirklich toll ist. Aber wie schlecht steht es denn wirklich um den Planeten und welchen Einfluss hat Plastik darauf? Und warum ist Plastik eigentlich so schlecht?

Plastik wächst ja nicht auf Bäumen. Wir benötigen Erdöl, um Kunststoffe jeglicher Art herzustellen. Eine Ressource, die uns nicht unendlich zur Verfügung stehen wird. Und aus Erdöl mache ich ja noch keine Plastiktüte. Deshalb kommen Chemikalien und Weichmacher zum Einsatz, die dann von der Verpackung auf das verpackte Produkt übergehen. Das ist ungesund.

Denn Weichmacher und Bisphenole verändern den Hormonhaushalt und sind sogar in unserem Blut nachweisbar. Das ist doch erschreckend! Ich verteufle Plastik ja nicht grundsätzlich, aber ich habe etwas gegen Wegwerfplastik. Und davon gibt´s genug. Man muss sich nur mal seine Einkäufe anschauen. Wenn alles in der Küche verstaut ist, ist der gelbe Sack oft schon voll mit Verpackungsmüll.

 

Besser leben ohne Plastik CoverSie schreiben auf Ihrem Blog „Besser leben ohne Plastik“, dass Sie früher ein „von Konsum bestimmtes Leben“ geführt haben. Wie hat sich das angefühlt, auf einmal auf so viel zu verzichten?

Ich möchte sagen, dass ich so gelebt habe, wie es viele tun. Ich habe zwar gerne und oft Schuhe, Handtaschen und Klamotten gekauft, aber immer auf gute Qualität geachtet. Im Supermarkt griff ich zu Bio, wenn es möglich war. Auf die Verpackung habe ich dabei aber nie geachtet. Als ich dann unseren Plastikmüll mal genauer betrachtet habe, wusste ich, ich muss das ändern. Bereut habe ich es noch keinen Tag!

Ich kann mir vorstellen, dass es schnell auch eine Art Spiel und vielleicht auch positive „Sucht“ werden kann, noch mehr Ecken unseres Lebens zu finden, wo wir Plastik entdecken, und sich dann zu fragen und zu knobeln: „Mhh, kann ich das auch irgendwie ersetzen?“

Bei mir war es tatsächlich so, dass ich vor allem bei Lebensmitteln Plastik sparen wollte. Meine Familie sollte nichts mehr essen, was vorher in Kunststoff verpackt oder aufbewahrt wurde. Das hab recht schnell funktioniert und dann wollte ich mehr. Und so sog das Plastik auch aus dem Bad aus.

Wird es Ihnen manchmal auch mal selbst zu viel, der Wunsch so komplett plastikfrei zu leben?

Besser leben ohne Plastik Cover Erstes BuchÜberhaupt nicht – zumindest da, wo ich mich auskenne. Und selbst wenn ich in Deutschland unterwegs bin, finde ich immer Alternativen. Im Ausland wird das schon schwieriger. Deshalb ist der jährliche Italien-Urlaub für uns die Auszeit vom Plastiksparen. Dort finde ich kaum etwas ohne Kunststoffverpackung. Wir achten zwar auch im Urlaub darauf, wo es geht, auf Plastik zu verzichten, sehen es aber nicht so eng, wenn es mal nicht klappt.

Viele Menschen stellen sich das, glaube ich, schwer vor, auf vieles zu verzichten oder sich zu umstellen, auch wenn grundsätzlich der Wunsch oder die Bereitschaft da wäre, umweltbewusster zu leben. Ein plastikfreier Wasserkocher, wie wir ihn auf unserer Seite vorstellen, ist ja noch eine der leichteren Lösungen, doch damit ist es ja nicht getan, wenn man wirklich was ändern möchte. Was können Sie diesen Menschen raten? Wie kann man leicht anfangen, ohne sich zu überfordern oder die Lust zu verlieren?

Es gibt ein paar einfach Tipps, die jeder ganz schnell umsetzen kann. Was geht, sollte unverpackt gekauft werden. Obst und Gemüse gibt es lose, Wurst und Käse kann man mit der eigenen Dose einkaufen und Joghurt und Milch gibt´s im Glas statt im Tetrapack oder Plastikbecher. Statt Duschgel nimmt man Seife.

Und letztlich sollte man immer daran denken, eine eigene Tasche dabei zu haben, um nicht in Versuchung zu geraten, doch ne Plastiktüte zu kaufen. Und bitte hört auf Coffee to go zu trinken! Dadurch entsteht so viel unnötiger Müll in kurzer Zeit. Diese Becher sind ein reines Wegwerfprodukt. Greift einfach zu Mehrwegbechern.

Haben Sie nun schon alle Bereiche „abgegrast“ oder gibt es immer noch Potenzial zur Optimierung?

Ich finde immer wieder etwas, das ich ändern kann. Aber das geht dann schon weiter. Im Moment versuche ich, meinen Kleiderschrank auf das Minimum zu reduzieren. Ich kaufe nichts mehr dazu, weil ja alles schon da ist. Es ist aber von allem zu viel – deshalb wird nun Einiges ausziehen. Und ähnlich mache ich das auch im Rest unseres Hauses. Minimalismus trifft Leben ohne Plastik – all das gehört irgendwie zusammen.

Plastikmüllproblem
Auch die Meere sind vom Problem des Plastik-Mülls betroffen.

Was war das Erste, was Sie aus Ihrer Wohnung oder Ihrem Leben entfernt haben damals, in Bezug auf  Plastik, und was war das letzte, was Sie erst kürzlich rausgeworfen haben?

Tupperschüsseln flogen zuerst raus. Ich hatte drei Schubladen voll damit und ja doch nie den richtigen Deckel. Ich wollte einfach nichts mehr in Plastikschüsseln lagern. Also habe ich die Dosen verkauft und mir insgesamt vier Edelstahlbehälter zugelegt – für unterwegs, zum Einkaufen und für die Kinder. Und siehe da: Sie reichen völlig aus.

Zuletzt habe ich kaputte Billigspielsachen entsorgt.

Was wären Ihrer Meinung nach die wichtigsten Schritte, die jeder Mensch tun kann und die wir als Gesellschaft tun können, um den Planeten zu schützen?

Einfach mal innehalten und nachdenken. Es muss niemand sein Leben auf den Kopf stellen, wenn aber jeder ein wenig an seiner Einstellung und seinem Konsum schraubt, ist schon viel gewonnen. Einer muss damit anfangen – und jeder ist einer!

Vielen Dank für das Interview und die Ermutigung an Andere, auch ein Stück umweltbewusster zu leben!


Weiterführende Literatur: